Sonntag, 31. Juli 2011

Und mit SVV meine ich nicht den Salzburger VerkehrsVerbund.

Unendlich weit von mir selbst entfernt.

Wenn es doch einfacher wäre. Ich habe in meinem bisherigen Leben durch etliche Erlebnisse schon gelernt, wie man mit Gefühlen jeglicher Art umzugehen hat, habe gelernt, in mich selbst zu hören und vorallem auf mich zu hören. Ich kannte mich, besser, als es jemals ein anderer tun wird. Mir ging es mehr als das letzte Jahr bestens, konnte nicht klagen. War glücklich in allen Situationen, hatte ein erfülltes Leben. Und dann traten diese beiden Menschen in mein Leben und alles drohte erneut zu zerbrechen. Und ich konnte es trotz meiner Erfahrung nicht verhindern. Nun stehe ich wieder am Anfang. Ich könnte sagen, dass man mich in einer Welt voller Scherben nicht mehr zerstören kann, doch dafür gibt es auch keine Sicherheiten. Alles geht. 


Manchen Menschen sollte man einfach den Zutritt zum eigenen Geist verwehren. Es ist besser so. Das hat nichts mit Feigheit zu tun! Man könnte es eher als Vorsorge bezeichnen, weil man weiß, dass dieser Mensch einen selbst so dermaßen durcheinander bringen wird, dass es sich als größeres Problem herausstellt, als würde man einfach nicht nachdenken und ihn ziehen lassen. Natürlich besteht dann ein Risiko, etwas zu verpassen, doch ist es das wirklich wert? Ein Optimist würde jetzt lauthals losschreien: "Ja, verdammt! Das ist es!" Vor einem Jahr wäre ich noch derselben Meinung gewesen, aber durch gewisse Menschen in meinem Umfeld habe ich begriffen, dass man doch nicht so leichtsinnig auf angeblich noch Erfahrenere hören soll, denn die kennen sich vielleicht selbst, aber von anderen haben sie nicht unbedingt viel Ahnung. Jeder wird als Individuum und Unikat geboren, die selben Gedanken und Gefühle teilen nur die wenigsten. Deshalb ist es auch so schwer, auf andere zu hören. Ihre Ratschläge helfen vielleicht bei ihnen, aber das muss lange noch nicht heißen, dass es bei anderen wirkt und ihr Weg der beste ist. Ich bin mittlerweile wieder der Meinung, es ist besser etwas unversucht zu lassen, als sich mit dem gedankenlosen Mut, oder besser gesagt blanker Naivität (äußert sich auch oft als Form des Optimismus), in den nächsten Abgrund zu stürzen. Warum sollte man sich selbst schaden, wenn es auch andere Wege gibt, auf denen man sich nicht nach kurzem Weg schon wieder die Beine an spitzen Steinen oder die Arme an den Dornenbüschen aufreißt.



Und wenn Menschen, die glauben, sie kennen die besten Wege, dann denken, sie können jenen Menschen, die lieber zurückstecken, als zu riskieren, helfen, indem sie sie ungebremst vor den Abgrund schieben, sie zwingen, den Blick zu senken und in die endlose Tiefe zu sehen, jeden Fels zu betrachten, an dem sie sich die Glieder vom Körper schlagen könnten, dann ist das wohl der allerfalscheste Weg, den es zu gehen gibt. Solche Aktionen von den ja so unglaublich erfahrenen Menschen veranlassen die Vorsichtigen, Bedachten, dazu, sich selbst zu verlieren, weil diese unglaubliche Aussicht in den Abgrund, in den sie stürzen könnten, wenn sie es wagen, sie in einen solch extremen Schwindel versetzt, dass sie nicht einmal mehr die eigenen Hand mit den fünf Fingern vor dem Gesicht wahrnehmen können. Genau so setzt man sie außer Gefecht, um dann doch den eigenen Willen durchzusetzen, ohne nachzusehen, ob der Zurückhaltende durch den Schwindel nicht das Gleichgewicht verliert und fällt. In diese endlose Tiefe. Warum verstehen das nur so wenige Menschen? Warum wollen sie diesen verdammten Optimismus nicht ablegen, von ihrer Scheinwelt zurückkehren und akzeptieren, dass das Leben real ist und nicht mit bloßen Gedanken und der Einstellung verändert werden kann. Das ist doch absurd. Nur weil man an sich glaubt, heißt es nicht, damit Erfolg zu haben. Glauben heißt nicht wissen.



Und nun zum letzten Teil dieser wundervollen Angelegenheit: Durch diesen Zwang des anderen ist man mit sich selbst überfordert, man weiß nicht, wie man damit umgehen soll. Diese innerliche Verzweiflung, der Bruch an sich selbst, kann sich in folgender Reihnefolge äußern. Phase I: Melancholie. Man beginnt, sich zu isolieren, da man immer mehr das Wohlgefühl in der Gegenwart des anderen verliert. Man denkt den ganzen Tag über alle möglichen, meist unnötigen, Dinge nach. Man zerlegt jede Erfahrung, die man mit einem Menschen gesammelt hat, jeden Eindruck und analysiert. Was ist gut - Was ist schlecht. Durch die melancholische, trübe Stimmung werden logischerweise großteils schlechte Dinge gefunden, die sich dann in die Gedanken brennen.
Phase II: Phlegmatismus. Man erleidet durch diese andauernde Melancholie und dem tristen Alltag Lustlosigkeit an allem. Nichts ist mehr so schön, wie es vorher war. Zu nichts kann man sich motivieren, für alles ist man zu schwach. Man wird zum vollkommenen Phlegmatiker. Wenn man zu Dingen aufgefordert wird, die man erledigen sollte, entgegnet man meist mit bissigen, genervten Antworten, da man nicht einmal bereit ist, die schönen Dinge des Lebens auszukosten. Phase III: Tränen. Irgendwann wird einem das alles noch einmal mehr als zu viel. Man findet einen Punkt, der das Gehirn vollkommen ausschaltet und erleidet einen Gefühlsausbruch. Es wiederholt sich und wiederholt sich abermals. Man schläft mit Tränen im Gesicht ein, man wacht mit Tränen im Gesicht auf. Man ist außerordentlich gefühlsempfindlich. Bei der kleinsten Gelegenheit, die einen etwas verstimmen könnte, brechen erneut Tränen aus und irgendwann kennt man nichts anderes mehr, als einfach zu weinen, weil man keinen Ausweg sieht. Phase IV-VIII: Bei den genannten Gefühlsausbrüchen kann es oftmals auch zur Hysterie führen. Die Lunge zieht sich zusammen, man gerät in Atemnot. Man beginnt aufgrund der zu geringen Sauerstoffzufuhr zu husten. Unaufhörlich. Durch das Anspannen der Bauchmuskeln durch die Hustenanfälle und der immensen Aufregung, kann es leicht zur Übelkeit kommen. Diese Übelkeit veranlasst einen dann, sich zu oral zu erleichtern. In diesem Sinne wird auch oftmals ein länglicher Gegenstand zur Hilfe genommen, um den Würgereflex anzuregen. Aber das ist in diesem Sinne einem selbst überlassen und wird nach Bedarf entschieden. Durch das abermalige Übergeben werden die Schleimheute und der Magen geschädigt, dadurch kann es zu einem Magengeschwür und sonstigen psychosomatischen Krankheiten kommmen. Weiters sind Aufregung und Hysterie auch für den extremen Schüttelfrost, der einsetzt, verantwortlich. Phase IX: Alles in allem gibt einem dann ein ganz interessantes Gefühl. Man fühlt sich dreckig. Man fühlt sich schlecht. Man sitzt einfach nur da, kotzt, heult, friert. Und das alles gleichzeitig. Bei öfterem Geschehen dieses Vorgangs kommt es zum Sterben des Gefühle. Zum Sterben des letzten Funken Glaubens. Wenn man diese Phasen einige Male durchlebt hat, wird es wieder besser. Zumindest kommt es einem so vor. Denn, ehrlich gesagt, stirbt man innerlich nur immer mehr und mehr. Bis nichts mehr übrig ist von Gefühl, Emotion und diesen anderen Dingen. Man ist tot. Zumindest seelisch. Man fühlt sich getrennt vom Körper, der Dinge tut, die der Geist nicht einmal mehr wahr nimmt. Man ist meilenweit von sich selbst entfernt, ohne es gewollt zu haben. Es ist wie eine Spaltung der physischen und psychischen Person. Sozusagen zwei in eins. Und wenn man erst realisiert, wie es um einen steht, oder wo ein Teil des Menschen eigentlich steht und wo der andere, wenn man diese Entfernung realisiert, die man von sich selbst weg zurückgelegt hat, dann beginnt man Dinge zu suchen, die einem deutlich machen, noch im eigenen Körper zu leben. Nicht wie ein Geist nur darüber zu schweben. Und das erste, was dem Menschen einfällt, ist die Reaktion Schmerz. Es ist in diesem Fall das einzige, was der Körper aufnimmt und an das Gehirn weitersendet. In diesem Fall greift man zur Klinge. Weil man mit sich selbst nicht mehr im Einklang ist. Weil man sich unlebendig fühlt. Weil man einfach nicht im Stande ist, Realität und Wirrungen auseinander zu halten. Man greift zur Klinge, zieht mit gewissem Druck an einer Stelle des Körpers entlang. Nerven werden berührt. Durch die Nervenbahnen wird ein Signal an das geschädigte und beeinträchtigte Gehirn gesendet, welches als Schutzfunktion sofort das Alarmzeichen Schmerz sendet. Man spürt sich wieder. Man weiß, dass man noch da ist. Man fühlt sich und seinen Körper. Man fühlt es im Einklang. Man sieht das Blut, das aus der Wunde austritt, welches als Schutzfunktion des Körpers gesendet wird. Man fühlt sich frei. Man ist abgelenkt von anderen Dingen und das tut gut. Man fühlt sich selbst wieder seit der langen Zeit der Depression... 



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